Schottisch-Gälisch


Schottisch-Gälisch
Schọttisch-Gälisch,
 
eigensprachlich: Gàidhlig ['gaːlig], die keltische Sprache der Gälen (Iren) Schottlands. Sie kam erstmals im späten 5. Jahrhundert mit den Skoten nach Britannien und wurde im 11. Jahrhundert im gesamten heutigen Schottland gesprochen. Zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert gliederte sich aus dem Gemeingälischen (Gälisch) das Ostgemeingälische mit Schottisch-Gälisch und dem Manxgälischen (Manx 2) 2) aus; bis zum 15./16. Jahrhundert nahmen dann das Schottisch-Gälisch sowie das Manxgälische getrennte Entwicklungen. Das Schottisch-Gälisch wird, seit dem 11. Jahrhundert zunehmend vom Englischen nach Nordwesten zurückgedrängt, heute v. a. auf den Äußeren Hebriden sowie auch in der kanadischen Provinz Nova Scotia gesprochen.
 
 
Bis etwa 1600 bildeten das schottische Hochland und Irland eine gemeinsame Kultur-Provinz mit einer gemeinsamen Literatursprache. Die schottischen Barden erhielten ihre Ausbildung in Irland und dichteten auf Irisch. Erste Spuren des Schottisch-Gälischen finden sich im »Book of Deer« (12. Jahrhundert). Das erste bedeutende literarische Denkmal war das »Book of the Dean of Lismore« (um 1520), eine handschriftliche Sammlung von Gedichten und Balladen, die noch unter irischem Einfluss standen. Der Zusammenbruch der irischen und schottischen Aristokratie gegen Ende des 16. Jahrhunderts brachte die endgültige Trennung von Irland. Im 17. Jahrhundert entstand in Schottland eine aus allen sozialen Schichten stammende neue Dichterschule. Ihre ersten bedeutenden Vertreter waren Mary MacLeod (Màiri Nighean Alasdair Ruaidh, * um 1615, ✝ um 1710) und John MacDonald (Iain Lom, * um 1620, ✝ um 1710). Sie wandten sich allmählich von den klassischen silbischen Metren der bardischen Tradition ab und verwendeten freiere Versformen. Ihren Höhepunkt erlebte die schottisch-gälische Literatur im 18. Jahrhundert mit den Werken von Alexander MacDonald (Alasdair Mac Mhaighstir Alasdair, * um 1700, ✝ 1770) und Duncan MacIntyre (Donnchadh Bàn, * 1724, ✝ 1812), die besonders durch den poetischen Realismus ihrer Naturlyrik hervorragten. John (Iain) MacCodrum (* um 1710, ✝ 1796) verfasste v. a. satirische Gedichte, Dugald Buchanan (* 1716, ✝ 1768) religiöse Dichtungen. Eine weitere Erneuerung erfuhr die schottisch-gälische Literatur im 20. Jahrhundert, die Poesie zunächst durch Sorley MacLean (Somhairle Mac Ghilleathain, * 1911, ✝ 1996, George Campbell Hay) und Derick S. Thomson (Ruaraidh Mac Thomàis), in neuester Zeit durch Donald MacAulay und Iain Crichton Smith (* 1928), auf dem Gebiet der Kurzgeschichte durch I. C. Smith und Colin MacKenzie (Cailein Mac Coinnich). - Daneben existiert eine seit Jahrhunderten mündlich überlieferte Volksliteratur. Sie wird, zum Teil durch J. Macphersons geniale Fälschungen angeregt, seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, insbesondere im 19. Jahrhundert, aber auch noch heute gesammelt, aufgezeichnet und ediert (u. a. »Popular tales of the West Highlands«, 4 Bände, herausgegeben 1860-62 von John Francis Campbell; »Carmina Gadelica«, 6 Bände, herausgegeben 1900-71 von Alexander Carmichael u. a.; »Highland songs of the fourty-five«, herausgegeben 1933 von John Lorne Campbell; »More West Highland tales«, herausgegeben 1940 von John G. MacKay; »Hebridean folksongs«, herausgegeben 1969 von John Lorne Campbell und F. Collinson).
 
 
A. Cameron: Reliquiae Celticae, 2 Bde. (Inverness 1892-94);
 M. MacLean: The literature of the Highlands (London 1902);
 D. S. Thomson: Scottish Gaelic literature, in: Literature in Celtic countries, hg. v. J. E. C. Williams (Cardiff 1971);
 P.-Y. Lambert: Les littératures celtiques (Paris 1981);
 
The companion to Gaelic Scottland, hg. v. D. S. Thomson (Oxford 1983);
 
Gaelic and Scots in harmony, hg. v. D. S. Thomson: (Glasgow 1990);
 E. Dwelly: The illustrated Gaelic-English dictionary (Neuausg. Edinburgh 1993).

Universal-Lexikon. 2012.

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